Kiel-Bamberger-Erklärung
September 2006

Schulleitungssymposien haben in Deutschland Tradition. Dafür stehen insbesondere die Bamberger Schulleitersymposien, die seit den 80er Jahren zu einem wichtigen Ort der Diskussion zwischen Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Schule und Politik zählen. Mit dem 1. Kieler Schulleitungssymposion ist 2004 der Faden auch im Norden aufgenommen worden.

Durch diese Symposien soll das pädagogische Führungspersonal mit dem neuesten Stand nationaler und internationaler Schulforschung und –entwicklung vertraut gemacht werden und eigene Erfahrungen länderübergreifend austauschen.

Die Initiatoren des Bamberger und des Kieler Symposions sind übereingekommen, beide Symposien abwechselnd stattfinden zu lassen, so dass in jedem Jahr durch ein bundesweites Symposium Impulse zum Thema Schulleitung gegeben werden können. Leitidee dieser Kooperation ist, den Stellenwert von Führungskräften in Schule sowohl in derÖffentlichkeit als auch in der wissenschaftlichen, bildungspolitischen und innerpolitischen Diskussion zu unterstreichen. Befunde und Theorien über den Zusammenhang zwischen der Schulleitungsarbeit und der Qualität von Unterricht und Schule sollen ebenso wie
Erfahrungen aus der Praxis für eine zeitgemäße Definition der Rolle und der Aufgaben von pädagogischen Führungskräften genützt werden.
Mit den Kieler Thesen vom September 2004 sind inhaltliche Positionen für die Diskussion und konkrete Konsequenzen für das Handeln umrissen worden. In der gegenwärtigen und zukünftigen Debatte soll es darum gehen, diese Positionen weiter zu entwickeln und in Hinblick auf ihre Realisierung zu überprüfen. Eckpunkte sind:

  1. Die Wirksamkeit einer Organisation ist maßgeblich von der Professionalität des Managements abhängig. Schulleiterinnen und Schulleiter sind Führungskräfte, die Verantwortung für den Erfolg von Bildungs- und Erziehungsprozessen an der Schule tragen.
  2. Unterricht ist der zentrale schulische Lernort für die Schülerinnen und Schüler. Hohe Qualität des Unterrichts im Sinne der möglichst optimalen Förderung der Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler ist deshalb der rote Faden der Qualitätsentwicklung an Schulen. Diese Prozesse zu steuern ist Hauptaufgabe, der Schulleiterinnen und Schulleiter. (Deshalb wird das nächste Schulleitersymposion in Bamberg 11. - 13. 10. 2007) dem Thema „Schulleitung und Unterricht“ gewidmet.
  3. Mit dem Beschluss über Bildungsstandards hat es die Kultusministerkonferenz geschafft, eine verbindliche Handlungsorientierung für alle Bundesländer sicherzustellen. Allerdings ist Schul- und Unterrichtsentwicklung mehr als Einführung der beschlossenen Bildungsstandards. Erziehung zur Mündigkeit und Toleranz bleibt zentrale Aufgabe.
  4. Wirksame Schulentwicklung braucht größere Zielklarheit und Ergebnisverantwortung auf der einen Seite, größere Handlungsspielräume und Eigenständigkeit der Einzelschulen auf der anderen Seite. Das Verhältnis von Staat und Einzelschule muss in diesem Prozess neu ausbalanciert werden: Der Staat konzentriert sich auf Rahmensteuerung. Innerhalb dieses Rahmens wird die Schule selbstständig und legt regelmäßig Rechenschaft über Mitteleinsatz sowie über erreichte Ergebnisse ab. Die Schulleiterinnen und Schulleiter tragen dafür entscheidende Verantwortung.
  5. Rekrutierung, Auswahl und Qualifizierung, Aus- und Fortbildung von Schulleitungspersonal spielen deshalb eine zunehmend wichtige Rolle.

Prof. Dr. Heinz S. Rosenbusch, Universität Bamberg
Dr. Thomas Riecke-Baulecke, Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein
Prof. Dr. Gerhard Fouquet, Christian-Albrecht-Universität Kiel
Prof. Dr. Hans H. Driftmann, Unternehmensvereinigung Nord


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